Die stille Revolution:
Und was du stattdessen tun kannst, um sichtbar zu sein.
Laut zu sein bedeutet nicht automatisch, wirksam zu sein. Gerade in beratenden Berufen zählen Vertrauen und starke Beziehungen mehr als eine große Reichweite. Viele gängige Marketingstrategien passen nicht zu stillen Expert:innen – sie wirken aufgesetzt und kosten Energie.
Die Alternative: eine klare Positionierung, das Einnehmen der Kundensicht und ein Kommunikationsstil, der zu dir passt. Sichtbarkeit braucht keine Lautstärke, sondern Haltung.
Der Geschäftsführer haut auf den Tisch. „So geht das nicht weiter!“ Alle im Raum sind still. Er hat die Aufmerksamkeit. Aber löst das ein Problem? Würde man sich ihm in einer schwierigen Frage anvertrauen? Würde man mit ihm offen sprechen?
In der Kommunikation bedeutet Lautstärke nicht automatisch Wirksamkeit. Besonders nicht für Menschen, die mit sensiblen Themen arbeiten – dort ist Vertrauen die Voraussetzung für Veränderung. Genau das ist der Alltag vieler Berater:innen, Coaches und Fachexpert:innen.
Und doch scheint es auf Social Media oft, als sei der Tischhauer-Typ der neue Standard. Wer nicht dominant, dramatisch oder ultrapersönlich auftritt, wirkt blass. Oder?
Menschen beauftragen Berater:innen, weil sie ein Ziel erreichen möchten – und glauben, dass sie dies gemeinsam mit der Beraterin oder dem Experten schaffen können. Kurz: weil sie Vertrauen fassen.
Eine schrille Tonlage erzeugt vielleicht kurz Aufmerksamkeit. Doch was dann? Sichtbarkeit ist nur der erste Schritt. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit entsteht durch Klarheit, Haltung und Wiedererkennbarkeit. Ein überdrehter Auftritt kann genau das zerstören, was am meisten zählt: Vertrauen.
Noch immer hält sich hartnäckig die Idee, Klappern gehöre zum Handwerk. Ja, wir sollten uns zeigen – aber nicht auf Kosten unserer eigenen Glaubwürdigkeit.
Ein Werbespot bringt das für mich wunderbar auf den Punkt: In einem Entwicklungslabor tanzen Ingenieure. Oder sie versuchen es zumindest. Die Botschaft: „Tanzen können wir nicht. Aber Autos bauen.“
Diesen Ton möchte ich allen Berater:innen zurufen, die lieber solide als spektakulär arbeiten: Du musst nicht tanzen, wenn du lieber gute Arbeit leistest.
Deine Kund:innen buchen dich für deine Lösungsfähigkeit – nicht für deine Salsa-Performance auf LinkedIn.
In der Welt des Marketings gibt es unzählige Strategien, Formate und Techniken. Aber nicht jede davon funktioniert im beratenden Kontext. Der unkritische Transfer von Influencer-Mechanismen auf den B2B-Bereich führt oft ins Leere.
Ja – wer regelmäßig Videos dreht, Persönliches teilt und gezielt polarisiert, erzielt Reichweite. Doch das ist nicht der einzige Weg. Gastauftritte in Podcasts, fundierte Fachvorträge, Empfehlungen oder persönliche Gespräche auf Veranstaltungen tun das auch – oft auf eine tiefere, nachhaltigere Weise.
Was passiert, wenn sich stille Expert:innen zwingen, laut zu sein?
Sie posten einmal. Fühlen sich unwohl. Und lassen es bleiben. Die Energie verpufft – das Gefühl bleibt: Das ist nicht mein Weg.
Ein wirksamer Gegenentwurf beginnt bei dir:
Kenne deine Positionierung. Wofür stehst du – und wofür nicht?
Sprich in der Sprache deiner Kund:innen. Nicht, um dich zu verbiegen, sondern um verstanden zu werden.
Stehe zu deiner Tonlage. Du musst nicht schreien, wenn Flüstern zu dir passt.
Kundenzentrierte Kommunikation ist keine Frage der Lautstärke – sondern der Resonanz.
Wenn du dich mit der Loudness Culture unwohl fühlst, ist das kein Makel. Es ist ein Zeichen von Klarheit: Dieser Weg entspricht dir nicht.
Es gibt andere Wege – Wege, die zu dir passen, zu deiner Arbeit, zu deinen Kunden.
Vielleicht beginnt alles mit einem kleinen Gedanken:
Ich muss nicht lauter werden. Ich muss nur klarer werden.
PS:
👉 Wenn du spürst, dass Klarheit besser zu dir passt als Lautstärke – dann geh den ersten Schritt.
Deine Stimme zählt. Auch – oder gerade – wenn sie leise ist.
Hier geht es weiter: Stil und Stimme finden – deine Themen und deinen Ton klar kommunizieren.
Autor: Kerstin Boll
Datum: Juli 2025